Dagmar Guenther (oficial)
Arqueóloga - Artista - Cineasta

Hund oder Wolf? (German)

Eine Frage, mit der oftmals selbst Experten und Expertinnen überfordert sind – zumindest dann, wenn die Identifizierung anhand von (schlechtem) Foto- oder Videomaterial erfolgen soll. Für Laien ist dies oftmals gar nicht eindeutig klar – und so ist erst einmal alles ein Wolf. Selbst dann, wenn es eindeutige Indizien gibt, die gegen den Wolf, für einen Hund sprechen.

Europäischer Grauwolf im Zoo Eberswalde. Foto (c) D. Günther, 2016.
Erwachsene Wölfe sind – sofern sie nicht durch Menschenhand angefüttert wurden – scheu und gehen der zweibeinigen humanen Spezies in aller Regel aus dem Weg. Auf Jungwölfe trifft dies nicht zu. Sie sind neugierig, offen und verirren sich auf der Suche nach einem eigenen Revier auch durchaus mal in menschliche Siedlungen. Es ist also nicht hundertprozentig ausgeschlossen, dass Mensch einem Wolf begegnet. In den meisten Fällen werden es jedoch Hunde sein, die sich verselbständigt haben. Vor allem Wolfhunde und Nordische, aber auch Schäferhunde im alten DDR-Typus sind häufige Kandidaten für Verwechslungen – vor allem, wenn Mensch nur aus der Ferne ein Blick auf sie erhaschen konnte.

Tschechoslowakischer Wolfhund-Mix. Foto (c) D. Guenther, 2024.
Doch woran lässt sich erkennen, dass das Tier, was gerade meinen Weg gekreuzt hat, ein Hund und eben kein Wolf ist? Ein eindeutiges Merkmal sind die Ohren. Selbst wenn Wolfhunde wie der Tschechoslowakische und der Saarloos-Wolfhund, aber auch der Tamaskan, große Ähnlichkeiten mit ihrem wilden Verwandten haben und mit bis zu 35 % Wolfanteil auch weiterhin ihr wölfisches Erbe in sich tragen, haben sie doch fast alle ein Merkmal, was sie vom Wolf unterscheidet: Während der Wolf sehr kleine Ohren hat, sind jene der Wolfhunde aufgrund ihres Schäferhundanteils meist um einiges größer. Etwas anders verhält es sich bei den oft unkontrolliert „gezüchteten“ Wolf-Hund-Kreuzungen wie Amerikanischer Wolfhund, Marxdorfer oder auch dem Spencer Wolfdog. Hier ist meist ohnehin nicht klar, wieviel Wolf tatsächlich drin steckt, wie legal diese Mischung ist. Hier gilt daher: Finger weg! AWH, Marxdorfer und ähnliche Kreuzungsprodukte sind keine anerkannten Wolfhunderassen und stellen mit bis zu 90 % Wolfsanteil selbst für Hundexperten eine hochexplosive Mischung dar.

Tschechoslowakischer Wolfhund-Mix. Foto: D. Guenther, 2024
Doch wie unterscheidet Mensch nun eigentlich draußen auf dem Feld den Hund vom Wolf? Ein Indiz habe ich bereits genannt: die Ohren. Auffällige Merkmale wie Halsband und Geschirr lasse ich mal weg – wobei auch bereits Hunde mit Halsband für Wölfe gehalten wurden. Ein weiteres Merkmal kann der Körperbau sein. Wölfe sind zumeist recht kompakt, wogegen Wolfhunde eine eher länglich-gestreckte Rückenpartie aufweisen. Bei Einkreuzungen von Malamutes, Huskys oder auch Schäferhunden kann sich dies jedoch ändern. Auch die Beinlänge kann ein Hinweis sein. Wölfe sind stets langbeinig (was sie allerdings mit den Wolfhunden gemeinsam haben), Nordische und Schäferhunde dagegen kommen seltener auf langen Läufen daher. Und auch die Fellzeichnung lässt oftmals Rückschlüsse zu.

Alaskan Malamute. Foto (c) D. Guenther, 2016.
Schwarz-weiße Fellmuster wie beim Husky sind zumindest bei europäischen Wölfen ausgeschlossen. Ein weiteres Indiz: die Haltung der Rute. Während Wölfe ihre relativ kurze Rute meist gerade herabhängend tragen und diese nur im Lauf eine Waagerechte mit Rücken, Hals und Kopf bildet, trägt zum Beispiel der Alaskan Malamute seine wie eine Schmuckfeder wehend über dem Rücken. Auf kürzerer Distanz kann auch die Augenfarbe einen Hinweis geben. Wölfe haben stets gelbe Augen, wogegen Hunde fast immer braune, manchmal auch blaue Augen aufweisen. Eine Besonderheit stellen auch hier die Wolfhunderassen dar – ihre Augenfarbe variiert von gelb über bernsteinfarbend bis zu braun. Oftmals sind es mehrere Merkmale auf einmal, die Mensch betrachten sollte, wenn er einen vermeintlichen Wolf sieht. Ein Tier mit großen Ohren, schwarz-weißem Fell, über dem Rücken getragene Rute kann schlichtweg und ergreifend kein Wolf sein.

Bei Internetmeldungen über angebliche Wolfssichtungen sollte ohnehin immer eine gehörige Portion Skepsis mitschwingen. Am Ende stellen sich fast alle dieser Wölfe als ausgebüxte Hunde heraus. Und auch das Geltungsbedürfnis einiger Menschen und das Streben nach medialer Aufmerksamkeit treiben besondere Blüten. Sie sorgen dafür, dass Wolfssichtungen frei erfunden, mitunter sogar mit Hilfe von Hunden inszeniert werden.

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Hund oder Wolf?
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